Venus

Die Friedensbringerin

Venus ist der zweite Planet von der Sonne aus und der sechstgrößte. Die Umlaufbahn der Venus ist die kreisförmigste aller Planeten mit einer Exzentrizität von weniger als 1%.

        Umlaufbahn:  108.200.000 km (0,72 AE) von der Sonne entfernt
        Durchmesser: 12.103,6 km
        Masse:       4,869·1024 kg

Venus (Griechisch: Aphrodite; Babylonisch: Ishtar) ist mythologisch die Göttin der Liebe und Schönheit. Der Planet erhielt diesen Namen wahrscheinlich deshalb, weil er der hellste im Altertum bekannte Planet war (mit wenigen Ausnahmen bekamen die Oberflächenmerkmale der Venus weibliche Namen).

Sowohl die Göttin Aphrodite im alten Griechenland und deren Pendant des Römischen Imperiums, die Venus standen als Namensgeberin dieses Planeten für die Liebe, die Schönheit, das erotische Verlangen und die Weiblichkeit. Deshalb wurde dem Planeten in der Astrologie auch das Symbol der Weiblichkeit zugeordnet. Viele Künstler - besonders Maler - griffen die Thematik der römischen Göttin auf. Um derlei Bilder, wie etwa die berühmte Venus von Milo, zu bewundern, müssen jedoch weniger in Rom Hotels gesucht werden, als vielmehr in Paris, da sich die berühmte Statue aus Marmor in dessen Louvre befindet. Dass die Marmorstatue die Göttin Venus bzw. Aphrodite und damit das weibliche Schönheitsideal, das noch heute manche Frauen beispielsweise mithilfe von Operationen wie einer Nasenkorrektur zu erreichen hoffen, darstellt, ist allerdings nur eine Vermutung.

Venus ist seit vorgeschichtlicher Zeit bekannt. Sie ist mit Ausnahme von Sonne und Mond das hellste Objekt am Himmel. Wie Merkur war sie als zwei verschiedene Körper bekannt: Eosphorus als Morgen und Hesperus als Abendstern, aber die Griechischen Astronomen wußten es besser (das Erscheinen von Venus als Morgenstern wird manchmal im Englischen als „Lucifer“ bezeichnet, vom lateinischen „lucem ferre“, „das Licht tragen“).

Weil Venus ein niederer Planet ist, zeigt sie Phasen, wenn sie von der Erde aus beobachtet wird. Galileo Galileis Beobachtungen dieses Phänomens waren ein wichtiger Beweis für die heliozentrische Theorie über das Sonnensystem von Kopernikus.

Venusoberfläche
Venera 9 Oberflächenfoto
Die erste Sonde, die Venus besuchte, war 1962 Mariner 2. Sie wurde in der Folge von vielen weiteren besucht (alles in allem über 20), inklusive Pioneer Venus und die sowjetische Venera 7, dem ersten Raumfahrzeug, das auf einem anderen Planeten landen sollte, sowie Venera 9, die als erste Fotos von der Oberfläche lieferte (links). Erst kürzlich produzierte die umkreisende US-Sonde Magellan
radar map
Radar-Topographie
von Magellan (Fehlfarben)
detaillierte Karten der Venusoberfläche nach Radarabtastungen. Die Venus-Express-Mission der ESA ist mit einem weiten Spektrum an Instrumenten in diesem Augenblick im Umlauf um den Planeten.

Die Rotation der Venus ist ausgesprochen ungewöhnlich, weil sie zum einen sehr langsam ist (ein Venustag dauert 243 Erdentage, geringfügig länger als ein Venusjahr) und zum anderen weil sie gegenläufig rotiert. Außerdem stimmen die Umlaufzeit und die Rotationszeit der Venus derart überein, daß immer dieselbe Seite zur Erde zeigt, wenn die beiden sich am nächsten sind. Ob es sich dabei um eine Kopplungsauswirkung handelt oder einfach um einen Zufall, ist nicht bekannt.

Venus wird manchmal als der Schwesterplanet der Erde bezeichnet. Sie sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich:

Wegen dieser Ähnlichkeiten dachte man, daß die Venus unter den dichten Wolken sehr erdähnlich ist und sogar Leben beherbergt. Aber unglücklicherweise brachten genauere Studien ans Tageslicht, daß sie sich in mancher Hinsicht radikal von der Erde unterscheidet. Mann könnte sie als lebensfeindlichsten Ort im Sonnensystem bezeichnen.

Venus
Venus in sichtbarem
Licht von Galileo

Der Druck der Venusatmosphäre beträgt 90 Atmosphären (etwa der Druck, der einen Kilometer unter den Ozeanen der Erde herrscht). Sie setzt sich hauptsächlich aus Kohlendioxid zusammen. Es gibt verschiedene mehrere Kilometer dicke Wolkenschichten aus Schwefelsäuredampf. Diese Wolken verdecken vollständig den Blick auf die Oberfläche. Diese dichte Atmosphäre verursacht einen unkontrollierten Treibhauseffekt, der die Oberflächentemperatur um ungefähr 400 Grad auf über 740 K aufheizt (heiß genug, damit Blei schmilzt). Die Oberfläche der Venus ist tatsächlich heißer als die von Merkur, obwohl sie doppelt so weit von der Sonne entfernt ist.

Venus UV
Venus in Ultraviolett
Es wehen starke Winde (350 km/h) an der Wolkenoberseite, aber die Winde an der Oberfläche sind sehr schwach, nicht mehr als wenige Stundenkilometer schnell.

Venus hatte möglicherweise wie die Erde große Mengen Wasser, aber es verdunstete vollständig. Venus ist nicht vollkommen trocken. Die Erde hätte dasselbe Schicksal erlitten, wenn sie nur etwas näher an der Sonne wäre. Wir könnten eine Menge über die Erde lernen, wenn wir erkennen, warum sich die ursprüngliche Ähnlichkeit der Venus derart gravierend verändert hat.

Sif Mons
Sif Mons (Magellan-Radar)

Der Großteil der Venusoberfläche besteht aus sanft geschwungenen Ebenen mit geringen Erhebungen. Es gibt verschiedene weite Mulden: Atalanta Planitia, Guinevere Planitia, Lavinia Planitia. Es gibt zwei große Gebirgszüge : Ishtar Terra auf der nördlichen Halbkugel (ungefähr mit der Größe Australiens) und Aphrodite Terra entlang des Äquators (in etwa so groß wie Südamerika). Das Innere des Ishtar-Gebirges besteht im wesentlichen aus einer Hochebene, Lakshmi Planum, die von den höchsten Bergen auf der Venus umgeben ist, inklusive der enormen Maxwell Montes.

Daten des Magellan-Radars zeigen, daß weite Teile der Venusoberfläche von Lavaflüssen bedeckt sind. Es gibt mehrere große Schildvulkane (ähnlich wie Hawaii oder der Olympus Mons) wie den Sif Mons. Kürzlich veröffentlichte Entdeckungen deuten darauf hin, daß Venus noch vulkanisch aktiv ist, aber nur an wenigen heißen Stellen. Über weite Teile der letzten wenigen Millionen Jahre herrschte geologisch weitgehend Ruhe.

Es gibt keine kleineren Krater auf der Venus. Es scheinen kleine Meteoroiden in der dichten Atmosphäre der Venus zu verglühen, bevor sie die Oberfläche erreichen können. Die Krater auf der Venus scheinen in Bündeln aufzutreten, was darauf hindeutet, daß große Meteoroiden, die die Oberfläche erreichen können, normalerweise in der Atmosphäre zerbrechen.

Die ältesten Terrains auf der Venus scheinen ungefähr 800 Millionen Jahre alt zu sein. Umfangreicher Vulkanismus zu jener Zeit löschte die ältere Oberfläche aus, inklusive aller größeren Krater aus der Frühgeschichte der Venus.

Venerische Coronae
Coronae
Venerische Pfannkuchen-Vulkane
Pfannkuchen-Vulkane
Die Bilder von Magellan zeigen eine große Vielfalt an interessanten und einzigartigen Merkmalen inklusive der Pfannkuchenvulkane (links), die nach Eruptionen sehr dicker Lava aussehen, und Coronae (Kronen, rechts), die eingestürzte Hohlräume oberhalb von riesigen Lavakammern sein könnten.

Das Innere der Venus ist wahrscheinlich dem Erdinneren sehr ähnlich: ein Eisenkern von circa 6.000 km Durchmesser und einem geschmolzenen Felsmantel, der einen Großteil des Planeten umfaßt. Neuere Ergebnisse der Gravitationsdaten von Magellan zeigen, daß die Kruste der Venus stärker ist als bisher angenommen. Wie auf der Erde verursacht Konvektion innerhalb des Mantels Spannungen an der Oberfläche, die sich in vielen relativ kleinen Gegenden abbauen, im Gegensatz zu den Häufungen an den Grenzen der Kontinentalplatten, wie sich es im Fall Erde verhält.

Venus besitzt kein Magnetfeld, vielleicht wegen der langsamen Rotation.

Venus besitzt keine Satelliten, damit verbindet sich auch eine Geschichte.

Venus ist normalerweise mit bloßem Auge zu sehen. Manchmal wird sie (unzutreffenderweise) als „Morgen-“ oder „Abendstern“ bezeichnet, sie ist das mit Abstand hellste „Gestirn“ am Himmel. Es gibt verschiedene Websites, die die augenblickliche Position der Venus (und die anderer Planeten) am Himmel. Genauere und umgänglichere Karten können mit Planetariumprogrammen erstellt werden.

Am 8. Juni 2004 durchlief Venus direkt zwischen Sonne und Erde, wobei sie wie ein kleiner Fleck auf der Sonnenscheibe zu sehen war. Dieses Ereignis mit der Bezeichnung „Venustransit“ ist sehr selten: Zuletzt trat es 1882 ein. Das nächste Mal wird es zwar 2012 auftreten, aber danach muß man bis 2117 bis zum darauffolgenden Eintritt warten. Obwohl es nicht mehr die wissenschaftliche Bedeutung hat, die dieses Ereignis einmal hatte, wird es doch wieder Anlaß für eine wahre Völkerwanderung von Amateurastronomen sein.

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Impressum, © Bill Arnett, übersetzt von Michael Wapp; zuletzt ergänzt: 10. April 2014